Diagnose

Die Diagnose, dass das Kind, das gerade im Bauch heranwächst, nicht mehr lebt oder nicht lebensfähig sein wird, ist für fast alle Eltern ein großer Schock. Oft kann man es zunächst gar nicht fassen, was man da hört. Wie soll und kann es weitergehen?

In dieser Situation Ratschläge zu geben, ist sehr schwierig, aber wir können euch an unseren persönlichen Erfahrungen teilhaben lassen und euch unterstützen, damit ihr die für euch passenden Entscheidungen treffen und euren ganz eigenen Weg finden könnt. Der gewählte Weg sieht bei jedem Paar, bei jedem Menschen anders aus, und doch seid ihr nicht alleine und ihr teilt die Erfahrung, die ihr gerade durchlebt mit vielen, vielen anderen Menschen auf dieser Welt.

Vielleicht ist es hilfreich, wenn ihr euch klar macht, dass ihr Eltern eines Sternenkindes, also Sterneneltern, seid. Dieses euer Kind, auch wenn es nur für kurze Zeit bei euch war und vielleicht still geboren wird/wurde, ist und bleibt für immer euer Kind und hat seinen Platz in eurer Familie.

Es kann gut sein, dass es am Anfang zu viel ist, dies wirklich als Realität wahrzunehmen und ihr erstmal einfach alles regeln und »hinter euch bringen« wollt. Egal wo ihr steht, was ihr empfindet, es sind eure Gefühle und als solche richtig.

Wenn Eltern erfahren, dass ihr Kind bereits verstorben ist oder bald sterben wird, ist der Wunsch nach einer »schnellen Befreiung« aus der belastenden Situation oft groß. Die sofortige Einleitung der Geburt oder ein Kaiserschnitt erscheinen ihnen dann vielleicht als einzig denkbare Lösung. Es ist jedoch ratsam, nichts zu überstürzen, die weiteren Schritte und Entscheidungen sorgfältig zu überdenken und mit der Hebamme, der Ärztin oder dem Arzt abzuwägen.

Diagnose in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten

Wird in den ersten drei Monaten festgestellt, dass das Baby nicht mehr lebt, geht es zum Beispiel um die Entscheidung, ob eine Ausschabung ansteht oder ihr abwarten wollt, ob/bis euer Körper selber für Wehen und damit das Beenden der Schwangerschaft sorgt. Solange die begleitenden Untersuchungen unauffällig bleiben und keine besonderen Anzeichen wie Blutungen vorliegen, bedeutet das Abwarten keine gesundheitliche Gefährdung für die Mutter.

Ganz wichtig ist es, dass ihr für eure Entscheidungsfindung sowohl mit dem/der Gynäkologen/in, als auch mit einer Hebamme sprecht und euch alle Unterstützung holt, die ihr braucht. Manche Frauen haben im Nachhinein bedauert, gleich eine Ausschabung gemacht zu haben, für andere wiederum war dies der einzig mögliche Weg.

Es ist sehr hilfreich, euch Zeit zu nehmen. Zeit, um Informationen zu sammeln, aber ebenso um in euch hinein zu spüren, um mit dem Ereignis auch seelisch Schritt halten zu können und der Trauer Raum zu geben. So könnt ihr entscheiden, was sich mit den bisher gesammelten Informationen als nächster Schritt für euch richtig anfühlt. Vielleicht bleibt noch Zeit, sich in Ruhe auf die Geburt und den Abschied einzustimmen.

Siehe auch: Die kleine Geburt und Vorbereitung auf eine kleine Geburt

Diagnose nach dem 1. Trimester, stille Geburt und Tod kurz nach der Geburt

Bekommt ihr die Diagnose nach dem 1. Trimester, wenn man eigentlich davon ausgeht, dass alles gut wird, da ja die ersten drei Monate überstanden sind, trifft diese Diagnose eventuell noch tiefer. Ihr konntet das Kleine auf den Ultraschallbildern schon richtig erkennen und die Beziehung zum Kleinen ist gewachsen. Eine wunderbare Zeit, aus der euch die Nachricht, dass euer Baby gestorben oder nicht lebensfähig ist, jäh herausreißt.

Aber auch in dieser Phase könnt ihr euch Zeit nehmen, um euch zu informieren und etwas zu orientieren. Dann entscheidet euch, wie ihr die Geburt und die wenige Zeit mit eurem Kind gestalten wollt. Ihr habt in den meisten Fällen die Freiheit zu wählen, ob ihr die Geburt medikamentös einleiten lassen oder den natürlichen Beginn der Wehen abwarten wollt. Das kann mehrere Tage, je nach Reifegrad der Schwangerschaft selten auch einmal zwei Wochen oder länger dauern. Während dieser Zeit ist eine intensive Begleitung durch die Hebamme, die Ärztin oder den Arzt wichtig.

Macht euch keinen Stress, es geht nicht darum, die richtige Entscheidung zu treffen, sondern herauszufinden, was für euch im Moment am besten passt. Informationen und Austausch mit Ärzten, Hebammen und Menschen, die diesen Weg vor euch schon gegangen sind, können dabei hilfreich sein. Wenn man das Gespräch, den Austausch sucht, merkt man oft erst, wie viele andere Menschen Ähnliches durchlebt haben. Da Fehl- und Totgeburten noch immer ein Tabu-Thema in unserer Gesellschaft sind, wissen wir oft nicht darum. Aber wenn ihr es wagt und von euch aus den ersten Schritt macht darüber zu sprechen, werdet ihr meist positiv überrascht sein. Zu erfahren, dass man nicht alleine ist, ist für viele ein heilsamer Trost.

Vorzeitige Beendigung einer gewünschten Schwangerschaft

In seltenen Fällen kann es passieren, dass die Schwangere/werdenden Eltern die Diagnose erhalten, dass ihr ersehntes, ungeborenes Kind schwer krank oder gar nicht beziehungsweise nur sehr eingeschränkt lebensfähig sein wird.

Dies stellt die Eltern vor die schwere Aufgabe zu entscheiden, ob sie die Schwangerschaft unter diesen Umständen fortsetzen wollen oder eine vorzeitige Beendigung dieser Schwangerschaft vornehmen lassen.

Nach einer ausführlichen Beratung durch Gynäkologen und Kinderärzte kann ein Abbruch auch im fortgeschrittenen Stadium der Schwangerschaft durchgeführt werden.

Bis ca. zur 21. SSW werden der Schwangeren Medikamente verabreicht, welche die Geburt mit Wehen einleiten und zu einer stillen Geburt des Kindes führen.

Ab der 22. SSW muss zusätzlich dem Kind ein Medikament gespritzt werden, damit es nicht doch mit Lebenszeichen (wie Atmung, Puls) geboren wird. Denn in diesem Fall müssten die Ärzte alles medizinisch Mögliche tun, um das Kind am Leben zu halten.

Der Entschluss zu einem Schwangerschaftsabbruch ist für die betroffenen Eltern oft besonders schwer, da sie aufgrund eigener oder gesellschaftlicher moralischer Grundsätze nicht offen über ihre Entscheidung sprechen können oder wollen.

Unterstützungsmöglichkeiten:

Psychosoziale Beratung zu Pänataldiagnostik findet ihr in z. B. in folgenden Städten: